Eine aus 7,604 Milliarden

GEO, 14/2018

"Was haben Sie zuletzt geschenkt bekommen?" "Ein buntes Papier von meiner siebenjährigen Nachbarin. Manchmal schenkt sie mir etwas für sie Wertvolles, aber für mich Unbrauchbares, wie einen Pikachu- Sticker. Ich liebe sie." 

 

 ZUM MAGAZINARTIKEL 

 

Unseren Fragebogen beantwortet Hyewook Lee, 37. Sie arbeitet freiberuflich als Illustratorin und lebt mit ihrem Ehemann in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Ihre Heimatstadt Busan hat sie für ihr Studium an der Kunstakademie verlassen 

 

Wofür sind Sie dankbar?

Dass ich als Illustratorin arbeiten kann und mit einem Mann zusammen bin, den ich liebe.

 

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Dass Menschen sich ändern. 

 

Was bezeichnen Sie als Heimat?

Mein Viertel Hongdae. Ich lebe hier, seit ich bei meinen Eltern auszog, da war ich 20 Jahre alt. Ich bin erleichtert, wenn ich aus dem Ausland oder aus meiner Heimatstadt zurückkomme.

 

Haben Sie schon Auswanderung erwogen?

Mein Mann und ich haben überlegt, nach Deutschland auszuwandern. Koreaner sind sehr leistungsorientiert, es herrscht viel Druck und Konkurrenz. Wir haben darunter gelitten und wollten nicht, dass unser Kind das durchmacht. Wir dachten, in Deutschland sei es anders. Aber dann haben wir verstanden, dass die Menschen dort ähnliche Probleme haben.

 

Was haben Sie zuletzt geschenkt bekommen?

Ein buntes Papier von meiner siebenjährigen Nachbarin. Manchmal schenkt sie mir etwas für sie Wertvolles, aber für mich Unbrauchbares, wie einen Pikachu- Sticker. Ich liebe sie.

 

Welches Urteil fürchten sie mehr – das eines Freundes oder das eines Feindes?

Natürlich das eines Freundes. Es gibt keinen Grund, sich um alle Menschen zu bemühen.

 

Und wenn Sie mir hier und jetzt etwas schenken wollten: Was würden Sie geben?

Ich versuche gerade mein Bestes, mich mit Ihnen auf Englisch zu unterhalten!

 

Gibt es ein Tier, das Ihnen etwas bedeutet?

Wir haben von Freunden eine Katze übernommen, weil sie ein Baby erwarten. Bald möchten sie das Tier zurück, ich habe Angst davor.

 

Was war das größte Glück Ihrer Kindheit?

Freiheit in einem leeren Haus. Leider waren meine Eltern nicht oft weg.

 

Haben Sie eine liebste Erinnerung?

Jeder Moment, in dem ich etwas Neues erlebe.

 

Was war Ihr bestes Lebensjahr?

Jetzt! Ich erwarte Zwillinge.

 

Woran erkennt man echte Liebe?

Darüber habe ich oft nachgedacht. Meine Eltern hatten keine schöne Beziehung, Liebe war das nicht. An Liebe habe ich erst geglaubt, als ich meinen Mann kennengelernt habe.

 

Wie viel Zeit am Tag gehört Ihnen?

Wenig, vielleicht zwei Stunden. Ich liebe es, dann einfach nichts zu tun.

 

Wenn Sie die Macht hätten: Was würden Sie allen anderen Menschen befehlen?

Tu das, was immer du möchtest. Viele Menschen in Korea tun das nicht.

 

Was muss Ihnen keiner mehr sagen?

„Bitte mach das nicht.“ Bei dem Satz habe ich das Gefühl, man möchte mich kontrollieren.

 

Was bewundern Sie an Männern und was an Frauen?

Ich bewundere Männer nicht so sehr, ich beneide sie – dafür, dass sie in der koreanischen Gesellschaft freier sind. Frauen bewundere ich für ein unabhängiges Leben.

 

Wer sagt Ihnen die Wahrheit?

Mein Mann.

 

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Eine bessere Beziehung zu meiner Mutter.

 

Haben Sie Angst vor dem Tod? Was kommt danach?

Ich habe große Angst davor und daher aufgehört, daran zu denken. Nach dem Tod ist alles vorbei.

 

Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht?

Als ein Freund die Brille meines Mannes aufgesetzt hat. Wir haben ihn mit „Herr Professor“ angesprochen. Darauf er: „1 + 2 = 3“. Wenn ich davon erzähle, fange ich wieder an zu lachen.